Warum IoT demokratisiert gehört

Prof. Dr. Olga Willner lehrt nicht nur in den Komptenzfeldern IoT an der HTW Berlin, sie sitzt dieses Jahr auch in der Jury des Deep Tech Awards. Uns hat sie ein paar spannende Fragen beantwortet.

Liebe Frau Willner, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für unser Interview nehmen! Sie sind Professorin für Wirtschaftsinformatik an der HTW Berlin. Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer Forschung und Lehre?

Ich setze einen starken Schwerpunkt auf den Aufbau sowie die Vermittlung von Kompetenzen in den Gebieten „IoT in Smart Cities“ und „Industrial IoT“. Besonders zukunftsweisend in diesem Umfeld ist aus meiner Sicht aktuell das Thema „TinyML“, welches die Anwendung von Algorithmen des Maschinellen Lernens auf Ultra Low Power Microcontrollern beinhaltet. In meinem IFAF-geförderten Forschungsprojekt „EdgeCity“ erforschen wir den Einsatz von TinyML im städtischen Raum, konkret im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick.

Beim Deep Tech Award sind Sie in der Jury für den Bereich Internet of Things zuständig. Wie beurteilen Sie die Lage bezüglich der Entwicklungen von IoT in Berlin?

Ich erlebe die Unternehmen Berlins, unabhängig davon ob wir an dieser Stelle von Startups oder Corporates sprechen, als zielstrebig darin ihre IoT-Aktivitäten aufzubauen und sich zu diesem Thema zu vernetzen. Ein Beispiel ist das „IoT Hub Berlin“ von Berlin Partner, an dessen Gründung ich gemeinsam mit mehreren Unternehmen beteiligt sein darf.

Für die Stadt Berlin ist die Anwendung von IoT im öffentlichen Raum und in der Verwaltung erfolgskritisch. Was viele immer besser verstehen: IoT ist Infrastruktur, und sie gehört demokratisiert. Aus öffentlichen Mitteln finanzierte Netze sollten zugänglich sein. Open Source sollte als Muss-Kriterium bei Ausschreibungen definiert werden. Eine wichtige Rolle spielen Angebote für Bürger*innen, zum Aufbau von Kompetenz im Umgang mit IoT. Hier möchte ich das CityLAB Berlin erwähnen, das am Standort Tempelhof und jetzt auch virtuell viele tolle Projekte macht, die immer besser angenommen werden.

Was macht für Sie, neben dem Einsatz von IoT, die Deep Tech Szene Berlins aus?

Drei Dinge: Startups, die mit originellen bis wahnwitzigen Ideen überraschen. Digitallabore großer Unternehmen, die ja schon seit Jahren die Berliner Szene bereichern. Und die vielen technischen Hochschulen in der Stadt, die für stetigen Nachschub an Innovationen und klugen Leuten sorgen.

Welche Produkte und Lösungen wünschen Sie sich beim Deep Tech Award für Ihren Bereich?

Besonders gespannt bin ich auf Produkte und Lösungen, die Open-Source-Prinzipien aufgreifen und diese durchdacht in ihrem Geschäftsmodell verankern.

Als Professorin sind Sie unter anderem viel mit Studierenden zusammen. Haben Sie Tipps, die Sie sonst Ihren Studierenden geben, die Sie nun an die Bewerbenden des Deep Tech Awards weitergeben können?

Als Professorin haben Sie immer eine Top-3-Liste parat. Hier ist meine:

  • Arbeiten Sie in interdisziplinären Teams, die es ermöglichen verschiedenste Perspektiven zu berücksichtigen.
  • Setzen Sie Ihre Ideen möglichst schnell in Form allererster Prototypen um und erproben Sie diese gemeinsam mit Ihren potentiellen Kunden.
  • Scheuen Sie nicht den Austausch mit der internationalen IoT-Community – Shenzhen bei IoT Hardware und die Bay Area im Bereich TinyML. Enthusiasmus kennt keine Grenzen, der Austausch bei gemeinsamer Begeisterung gelingt sehr schnell.

Wie wird sich die Deep Tech Szene Berlins in den nächsten zehn Jahren entwickeln? Haben Sie eine Prognose?

Berlin wird seine Rolle als Deep-Tech-Hub Europas weiter ausbauen. Dadurch, dass Berlin bereits heute zu den absoluten Hotspots für Venture Capital zählt, haben wir eine ausgezeichnete Ausgangslage. Lokal ansässige Inkubatoren für Early-Stage-Startups wie der Bosch Startup Harbour, an dem die HTW Berlin beteiligt ist, werden dafür sorgen, dass die Pipeline konstant gefüllt bleibt. Weiterhin wird der Zuzug großer Tech-Player wie Tesla es uns ermöglichen ganz neue Wissensreservoire zu erschließen.