Von Digital Security, Vernetzung und dem „WOW ME“- Effekt

Die Einreichungsphase des Deep Tech Awards läuft seit dem 1.April und wir haben die Zeit genutzt, um mit Jurymitglied Thomas Schröter (SIBB), der seit Tag 1 des Deep Tech Awards dabei ist, über Digital Security und Tipps für Bewerbende zu sprechen.

Lieber Herr Schröter, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für unser Interview nehmen! Erzählen Sie uns doch gerne zunächst etwas zu Ihrer Person und Ihrem beruflichen Werdegang.

Ich begann meine Karriere bei der Fraunhofer Gesellschaft und wechselte dann in die Industrie und war Projektleiter bei Siemens. Nach Gründung eines erfolgreichen Spin-offs war ich dann fast zwei Jahrzehnte Unternehmer Venture Capital finanzierter Softwareunternehmen mit mehr als 100 Mitarbeiter*innen. Im Anschluss wechselte ich die Seiten und gründete zwei Beratungsunternehmen für die Digitale Wirtschaft. Darunter die Fördermittelberatung „förderbar“. Mittlerweile berate ich die Öffentliche Verwaltung und treibe dort die bundesweite Digitalisierung des Förderwesens voran.

Sie sind in der Jury des Deep Tech Awards 2020 für den Bereich Digital Security zuständig. Wie ist in Ihren Augen die Lage bezüglich IT-Sicherheit in Berlin?

Bezogen auf den IT-Bereich „Digital Security“ stellt sich die Lage im Grunde sehr gut dar. Es gibt viele etablierte und entwickelte Unternehmen in diesem Sektor mit internationalen Kunden. Eine Reihe von Forschungs- und Entwicklungs-Einrichtungen und Institutionen haben Schwerpunkte im Bereich Digital Security und es kommen stetig hoch interessante Neugründungen hinzu, die sich auf den Sektor Digital Security fokussieren. Der SIBB e.V., dem ich als Vorstandsvorsitzender vorstehe, bietet über das Forum Informationssicherheit im Jahresverlauf eine ganze Reihe von Formaten und Gelegenheiten an, sich über aktuelle Entwicklungen im Bereich IT-Sicherheit zu informieren und auszutauschen. Das SIBB Forum trägt übrigens ganz bewusst die Bezeichnung Informationssicherheit, da der Begriff Digital Security in erster Linie die technischen Anforderungen, Herausforderungen und Lösungen umfasst. Die digitale Sicherheit umfasst aber gerade in Unternehmens- und Verwaltungsstrukturen eben auch viele in erster Linie rein organisatorische Fragen. Dem tragen wir mit diesem SIBB-Forum Rechnung und die im Forum handelnden Expert*innen greifen vielfältige Themen auf, um die gesamte Bandbreite mit anzusprechen.

Sie haben den Deep Tech Award von Beginn an mitverfolgt. Wie sehen Sie die Entwicklung der Projekte, die eingereicht werden?

Wir haben als SIBB diesen Award gemeinsam mit der Wirtschaftssenatsverwaltung Berlins 2015 ins Leben gerufen und den zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht so verbreiteten Terminus „DeepTech“ bewusst, um hier eine Fokussierung dieses Wettbewerbs zu erreichen, gewählt. Gemeinsam mit meinen Vorstandskolleg*innen bin ich sehr angetan von der Entwicklung, die der Award über die Jahre nun genommen hat. Die Anzahl und auch die Qualität der Einreichungen sind kontinuierlich nur in eine Richtung gegangen; nämlich ins Positive. Das bringt für mich als nun schon mehrfaches Mitglied in der Jury zwar auch kontinuierlich mehr Aufwand bei der Sichtung der Einreichungen mit sich, aber das ist eine angenehme Aufgabe., Denn man erkennt und spürt dabei die Power, die in der Berliner Tech-Szene steckt ganz unmittelbar und konkret. Es macht immer wieder großen Spaß, in der jeweils hochkarätig besetzten Jury zu diskutieren und zu den besten Ergebnissen bei der Auswahl zu gelangen.

Der SIBB e.V. ist ein Verband für die Digitalwirtschaft Berlin-Brandenburgs. Wie gestaltet sich Ihre Vernetzungsarbeit in der Tech-Szene Berlins? Was für Entwicklungen konnten Sie in den letzten Jahren innerhalb dieser beobachten?

Unser Team in beiden Geschäftsstellen des SIBB e.V. in Berlin und Brandenburg ist in der Tat fünf Tage die Woche oder manchmal auch weit darüber hinaus genau wie Sie sagen mit der Vernetzungsarbeit in der Digitalwirtschaft voll auf beschäftigt. Und so wie ich unsere Mitarbeiter*innen erlebe, gehen Sie diese Aufgabe mit viel Spaß an der Freude und einem hohen Grad an Engagement an. Dafür nutze ich hier gern die Gelegenheit und danke dem SIBB-Team unter Leitung des Geschäftsführers Herrn Ebert.

Die Szene hat sich nach meiner Wahrnehmung in den letzten Jahren vor allem stark internationalisiert. Berlin profitiert von einer Anziehungskraft, die nicht nur Tech-Talente anlockt, sondern auch nach und nach etablierte Fachkräfte aus den Bereichen, die für unsere Branche treibend sind. Und ich hoffe, dieser Effekt ebbt nicht ab, sondern hält noch lange an. Hier spielen aber natürlich viele Facetten und Entwicklungen eine Rolle wie zum Beispiel Gewerbemieten, Verfügbarkeit von Kinderbetreuungsinfrastrukturen und vieles andere mehr. Hier nehmen wir unsere Aufgabe als Interessenvertretung der Branche wahr und sind in einem stetigen konstruktiven Austausch mit Politik und Verwaltung der Region.

Was erwarten Sie sich von den Bewerbenden des Deep Tech Awards für den Bereich Digital Security? Gibt es Lösungen und/oder Produkte, die Sie sich wünschen würden?

Im Englischen spricht man so schön vom „WOW ME Effekt“; den würde ich mir natürlich sehr gern vor allem für den Bereich Digital Security wünschen. Ich könnte mir vorstellen, dass es aktuell viele Ideen gibt, die getrieben durch die IT-Sicherheitsdiskussion rund um Covid-19 momentan in den Köpfen stecken oder als erste Prototypen schon existieren und beim DeepTechAward eingereicht werden. Denken Sie an die aktuell nicht nur in Deutschland geführte Diskussion zu „Corona-Apps“ und ähnlichen Konzepten. Hier könnte der DeepTechAward 2020 vielleicht im Bereich Digital Security Lösungsansätze hervorbringen und prämieren, die auch über die aktuelle Pandemiesituation hinaus sehr nützlich und effektiv sind.

Können Sie aus Ihrer langjährigen Erfahrung in der Berliner Tech-Szene ein paar Tipps nennen, die sich junge Unternehmen zu Herzen nehmen sollten?

Einen langen Atem haben, nicht zu ungeduldig sein und nicht zu früh aufgeben, nur wenn mal Dinge nicht so laufen wie geplant. Viel von anderen Unternehmer*innen lernen und den Austausch mit ihnen suchen. Bei der Finanzierung lieber etwas mehr Geld aufnehmen, um genügend Zeit zu haben den „Break-Even“ zu erreichen.

Worauf können sich die Preisträger*innen im Anschluss an den Deep Tech Award freuen? Welche Möglichkeiten und Chancen erwarten Sie?

Die Erfahrung der vorangegangenen Deep Tech Awards zeigt den Partnerorganisationen, die für den Award stehen, sehr deutlich auf, dass die prämierten Firmen und Teams und letztendlich die Personen, die dahinter stehen, sehr umfassend von einer Verleihung dieses Awards profitieren. Das geht weit über das zugegebenermaßen ja auch sehr attraktive Preisgeld hinaus. Die sprichwörtliche Reputation, die man mit diesem Award für sich generiert, ist wirklich etwas wert. Und es öffnen sich für die Preisträger*innen Türen und Möglichkeiten, die sonst womöglich verschlossen blieben. Also ich kann wirklich jedem Unternehmen, das spannende Lösungen in einer der DeepTech Award 2020 Kategorien in der Pipeline hat, nur auffordern, den nicht besonders aufwendigen Bewerbungsprozess auf sich zu nehmen. Für inhaltliche Rückfragen zu den Technologien steht dabei auch das Team des SIBB e.V. unter +49 30 40367 903 oder DeepTechAward@sibb.de sehr gern zur Verfügung.