„Future Living® Berlin“: Berlins erstes Smart City Quartier

In einem der größten Technologiezentren Deutschlands, dem Berliner Stadtteil Adlershof, entsteht ein Vorzeige-Wohnprojekt für nachhaltiges, digital-vernetztes Leben: Future Living ® Berlin.

Kran und Bauschild des Future Living Berlin
© Future Living Berlin

Einen geeigneteren Ort für Deutschlands erstes Smart City Quartier gibt es kaum: Mitten im – „klügsten Kiez” von Berlin, wo 1.200 Unternehmen und rund 20 Forschungseinrichtungen an den technologischen Lösungen von morgen arbeiten, entstand mit „Future Living® Berlin (FLB)” das jüngste urbane Leuchtturmprojekt Europas:
Im Süden Berlins wurde auf 8.000 Quadratmeter Fläche ein smartes Mehrgenerationen-Wohnquartier mit 90 Wohnungen und zehn Gewerbeeinheiten errichtet. Die Idee hinter dem Quartier, das im Frühjahr 2020 seine Pforten öffnete, ist es, Lebensraum zu schaffen und das Wohnen in den Städten der Zukunft schon heute erfahrbar zu machen.

Urbanes Wachstum: Cities müssen smart werden

In dreißig Jahren soll die Stadtbevölkerung den Prognosen des World Urbanization Prospects der Vereinten Nationen zufolge weltweit um 2,5 Milliarden Menschen zunehmen. In Deutschland, wo bereits heute drei von vier Bewohner*innen in Städten leben, geht man von einer Steigerung auf 84,3 Prozent aus. Dieses rasante Wachstum bringt Herausforderungen mit sich: Demographischer Wandel, soziale Integration, Fragen des Klimaschutzes. Herausforderungen wie diese sind nur durch Effizienzsteigerung mithilfe digitaler und smarter Deep Tech-Lösungen zu meistern.

Smarte Technologien sparen Energie

Wie diese Lösungsansätze aussehen, das können die Bewohner*innen des Projekts FLB am eigenen Leib erfahren. Besonders vielversprechend ist das Energie-Managementsystem des Quartiers, das der Technologie-Partner Panasonic für den Bauherrn GSW Gesellschaft für Siedlungs- und Wohnungsbau Baden-Württemberg mbH. entwickelt und umgesetzt hat. Im Fokus des Konzepts stand die Optimierung des Energieverbrauchs zum Beheizen der Wohnungen. Laut Eurostat werden europaweit rund 80 Prozent der Haushaltsenergie zum Heizen verwendet. Außerdem sollte die Warmwasserbereitung energieeffizienter gemacht werden. Dafür sorgen mehrere Komponenten: Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der sechs Wohntürme liefern Strom fürs Quartier. Innovative PV-Akkus speichern überschüssige Energie für Zeiten, in denen kein Sonnenlicht zu Verfügung steht. Eine mit Solarstrom betriebene Luft-Wasser-Wärmepumpe dient zur Raumheizung und Warmwasser-Erzeugung. So bleiben die Räume im Winter kühl, im Sommer wiederum sorgen die Pumpen für angenehme Temperaturen. Das Kernstück des Energiekonzepts ist allerdings eine intelligente Steuerungssoftware, die die Experten des europäischen Forschungs- und Entwicklungszentrums von Panasonic für das smarte Wohnprojekt entwickelt haben. In dieser „Aquarea Smart Cloud“ sind alle Energielösungen des Quartiers zusammengefasst: Sie misst die Leistung der PV-Module und entscheidet mithilfe intelligenter Steuerungen und Algorithmen, ob Energie für Raumheizung oder Warmwasseraufbereitung genutzt wird. Die Wärmepumpen sind zusätzlich an eine Service Cloud angeschlossen: Darüber können Installateur*innen die Leistung aus der Ferne erhöhen. Wartungsbesuche entfallen oder können deutlich effizienter organisiert werden, was wiederum CO2-Emissionen einspart.

Auch Endverbraucher*innen können mit dem Steuerungsystem ihren Energieverbrauch überwachen und beispielsweise Temperatur-Einstellungen eigenhändig verwalten. Damit hilft Deep Tech nicht nur, flexibel auf die Bedürfnisse der Bewohner*innen von FLB zu reagieren, sondern darüber hinaus Energie zu sparen. „In Simulationen zusammen mit universitären Testlabors haben wir eine Verbesserung der Energienutzung um bis zu 15 Prozent erreicht“, sagt Ralf Becker, Projektleiter der Energiegruppe des Forschung- & Entwicklungsteams von Panasonic in Europa, gegenüber PV-Magazin. Dabei soll es nicht bleiben: Das Energiemanagement-System von Panasonic werde stetig weiter optimiert. 

Smart Living beginnt in der Wohnung

„Das Projekt Future Living Berlin wird zukünftig auf eine Vielzahl von Technologien aus den unterschiedlichsten Bereichen von Panasonic nutzen”, ergänzt Kai Hillebrandt, Managing Director von Panasonic DACH und den Niederlanden. Dazu zählt neben dem Energiemanagement auch der Einsatz von smarten Flachbildschirmfernseher und Lautsprechern. Beide sind Bestandteil der Internet of Things IoT-Plattform digitalSTROM-Smart Home Systems, das bei FLB eingesetzt wird: Durch den Einsatz von Deep Tech schaltet sich beispielsweise der TV beim Verlassen der Wohnung aus und hilft damit, Energie zu sparen.

Wird der Feueralarm in einem anderen Raum ausgelöst, erscheint eine visuelle Mitteilung auf dem Fernsehbildschirm. Auch wenn es an der Tür klingelt, kann die Information als Textnachricht ausgegeben werden. Während einige dieser Funktionen automatisch ausgelöst werden, können Endverbraucher*innen andere wiederum über intelligente Schalter, Sprachsteuerung oder die „Wohnungsverwalter“-App aktivieren. Bei diesem virtuellen Hausbesorger laufen alle Informationen zusammen. Hier kann sich der*die Endverbraucher*in einen Überblick über den Zustand der Wohnung verschaffen, eine der gemeinsam genutzten Waschmaschinen reservieren oder aber ein Fahrzeug der Carsharing-Autoflotte buchen, die der Partner Daimler zu Verfügung stellt. Es wird deutlich: Deep Tech hilft, den Alltag und die Wohnungsumgebung effizienter und übersichtlicher zu gestalten.   

Ausgezeichnet: Nachhaltiges und digitalisiertes Zuhause

Ob Temperatur-Regelung, automatisches Warnsystem oder Carsharing – die intelligenten Deep Tech-Lösungen helfen Energie zu sparen und sind gut für die Umwelt. Geht es nach Future Living, soll das Leben der Zukunft darüber hinaus möglichst sicher und bequem sein. Um den Bewohner*innen den Zutritt zu erleichtern, gleichzeitig aber vor unwillkommenen Eindringlingen zu schützen sind alle Gebäude mit einem digitalen Türzutrittssystem ausgestattet: Mit „myPort” von Schindler können die Haus- und Wohnungstür, Briefkästen und Aufzüge nur mit einer Chipkarte geöffnet werden. Ist diese einmal nicht bei der Hand, können sich die Bewohner*innen über Kameras vor den Haus- und Wohnungstüren und eine App Zugang verschaffen. Besucher wiederum erhalten über einen Gastcode temporäre Autorisierung. Für dieses durchdachte Sicherheitskonzept erhielt die GSW den DEKRA Award „Sicherheit zu Hause”. Mit FLB wurde „ein nachhaltiges und digitalisiertes Zuhause entwickelt und erfolgreich umgesetzt, das den aktuellen und künftigen Anforderungen gerecht wird“, lautete die Begründung. Auf diesen Lorbeeren ruhen sich der Bauherr und die Partner von FLB aber nicht aus. Die „digitalen und vernetzten Lösungen werden weiter ausgebaut, um die Sicherheit zu erhöhen und intelligente Gebäudelösungen anzubieten, welche den Gesamtkomfort der Bewohner*innen verbessern”, betonen sie. Dank den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Deep Tech hat Future Living gerade erst begonnen…

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