Endziel digitale Services: Wie ZKSystems Maschinenbauer fit für Industrie 4.0 macht.

Mit ihrer Software möchten zwei junge Berlinerinnen Maschinenhersteller*innen dabei unterstützen, das volle Potenzial der Produktion auszuschöpfen und sich mit digitalen Services von der Konkurrenz abzuheben. Denn: Künftig sei nicht entscheidend, wer die Maschine herstellt, sondern wie der Service ist.

Die Gründerinnen von ZkSystems lächeln in die Kamera
Die Gründerinnen Diana Rees und Amine Ünal © ZkSystems

Was in der Dienstleistungsbranche längst zum Standard gehört, daran führt auch in der Industrie 4.0. kein Weg vorbei.

70 Prozent aller Maschinenbauer*innen meinen laut einer Studie des Business Innovation Observatory der Europäischen Kommission, dass Services zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden. Diejenigen, die ihr Angebot bereits entsprechend angepasst haben, sehen ein fünf- bis zehn-prozentiges Wachstum. 50 Prozent des Umsatzes stammt dabei aus digitalen Zusatzleistungen. „Ob es sich um Hersteller x oder y handelt ist – auf Maschinen bezogen – nicht entscheidend. Wichtig ist der Service rund um die Maschine”, bestätigt Diana Rees, Co-Gründerin und CEO des Berliner Start-ups „ZkSystems” im NTV-Podcast „So techt Deutschland”.

Die 31-Jährige weiß, wovon sie spricht. Als Standortberaterin für europäische Unternehmen in China hat sie zahlreiche Fabriken besucht, verschiedene Produktionsprozesse kennengelernt und ist überzeugt: „Künftig werden Maschinen weniger als reine Hardware angeboten, sondern vielmehr im Zusammenspiel mit digitalen Services, die dem Kunden eine Automatisierung ermöglichen“, bringt sie es gegenüber Business Insider auf den Punkt. Der Anteil der Maschine am Paket werde immer kleiner und „irgendwann ist das eigentlich ein Servicepaket, in dem die Maschine nur ein Teil des Verkaufsangebots ist“. Ergänzende Dienstleistungen, wie das automatische Nachbestellen von Ersatzteilen oder die vorausschauende Planung der eigenen Wartung durch die Maschine selbst, werden hingegen immer wichtiger. Auch das Vermieten der Anlagen als „Equipment-as-a-Service (EaaS) und die zuverlässige Abrechnung über Pay-per-Use gehören zu den vielversprechenden Zusatzleistungen innovativer Maschinenbauer.

Skalierbare und integrationsfähige Blockchain 

Letzteres war jedoch bis vor kurzem leichter gesagt als getan. „Das Problem ist bisher, dass die Nutzungsdaten nicht ausreichend verifiziert werden können“, weiß Diana Rees. Gerade eine manuelle Datenerfassung führt häufig zu Fehlern. „Setzt man eine entsprechend ausgelegte Blockchain-Lösung ein, erhält man einen Track Record von validierten Nutzungsdaten.” Doch bisherige Blockchain-Varianten skalierten unzureichend und waren nicht schnell genug für Anwendungen im Bereich IIoT (Industrial Internet of Things). Enorme Hardware-Ressourcen mussten aufgestellt werden, was den Einsatz der Blockchain im IIoT sehr aufwendig, teuer und faktisch unmöglich machte. Um hier Abhilfe zu verschaffen, gründete Rees im Mai 2018 gemeinsam mit der heute 24-jährigen Software-Entwicklerin Amine Ünal das Start-Up ZkSystems (Zero Knowledge Systems; das Zero Knowledge-Protokoll beschreibt in der Kryptographie einen Prozess, bei dem eine Partei einer anderen Partei etwas beweist, ohne dass die Daten offengelegt werden).

Der erste Coup der Unternehmerinnen: die Entwicklung einer eigenen Blockchain-Infrastruktur, die auf 5000 Transaktionen pro Sekunde hoch­skalierbar ist und sich deshalb perfekt für IIoT eignet. Ein weiterer Vorteil gegenüber bisherigen Varianten ist, dass die Blockchain nahtlos in bestehende ERP- und Enterprise-Payment-­and-Billing-Systemen integriert ist. Das wiederum ermöglicht eine automatisierte Abrechnung auf Basis der IoT-Sensordaten. Dass die innovative Lösung funktioniert, stellte Ende 2019 ein Testprojekt mit Bosch Rexroth unter Beweis. Die Nutzungsdaten des Hydraulikaggregats Cytro Box, das beispielsweise Werkzeugmaschinen in Bewegung versetzt, wurden auf Basis der Blockchain von ZkSystems fälschungssicher aufgezeichnet. Dadurch kann Bosch Rexroth eine Pay-per-Use-Lösung anbieten, bei der Kunden nur für die tatsächliche Nutzung zahlen. Außerdem erhält der Hersteller zuverlässige Informationen über den Gebrauch der Maschine und kann weitere datenbasierte Services anbieten – etwa die vorausschauende Wartung der Anlage oder leistungsbezogene Garantien.

Robotergesteuerte Prozessautomatisierung statt Zettelwirtschaft

Mit der Blockchain-Software für EaaS ist es für Rees und Ünal, aber nicht getan. „Mittlerweile fokussieren wir uns auf robotergesteuerte Prozessautomatisierung (RPA) in der Fertigung, wo Blockchain nur optional eingesetzt wird”, beschreibt Diana Rees die agile Weiterentwicklung des Start-ups, das bereits zu einem elf-köpfigen Team herangewachsen ist.
Denn: Es gebe noch sehr viele Prozesse im Servicebereich, die weitgehend manuell ablaufen und damit aufwendig und fehleranfällig sind. „RPA hat den Vorteil, dass es schneller als der Mensch arbeitet und seine Aufgaben fehlerfrei und rund um die Uhr erledigt”, argumentiert sie. Diese Prozesse „hinter der Maschine”, wie das Erstellen von Checklisten oder Serviceberichten, müssen ihrer Ansicht nach automatisiert werden, bevor die Maschine ans Netz angebunden wird und Daten für Zusatzleistungen liefern kann. „Es geht auch darum, uns von der Zettelwirtschaft wegzubewegen”, so Diana Rees. Dass diese Transformation ohne kostenaufwändige Schnittstellen abläuft, dafür sorgt bei der ZKSystems-Software die Synchronisierung der Enterprise Ressource Planning (ERP)-, Manufacturing Execution System (MES)- und weiterer IT-Systeme durch Robotic Process Automation (RPA)-Skripte. Damit verspricht das Start-up seinen Kunden Echtzeit-Transparenz in der Fertigung und einen Überblick über Produktionsfortschritte.

Effizienz als Wettbewerbsvorsprung

Neben Enterprise-Klienten wie Bosch oder Siemens konnten Diana Rees und Amine Ünal, die sich bei einem Workshop kennengelernt haben, auch Maschinenbauer*innen aus dem Mittelstand für sich gewinnen. „Nach und nach wird der Wettbewerb stärker und die Hersteller*innen stehen unter Druck, effizienter zu werden”, beobachtet Rees. Viele seien heute zwar ausgelastet, ausruhen dürfe sich die Branche auf diesen Lorbeeren aber nicht: „Um für den weiterhin steigenden internationalen Wettbewerb gewappnet zu sein, ist es als deutscher Maschinenbauer wichtig, die sich abzeichnenden Trends frühzeitig zu erkennen und darauf mit innovativen Lösungen wie unserer zu reagieren, die Fertigungsprozesse optimieren und effizienter gestalten. Es wird nicht lange dauern, bis die durchgehende Digitalisierung an Geschwindigkeit auch im Maschinenbau gewinnt.” Investoren wie FinLab EOS Fund, Brandenburg Kapital und EnjoyVentures konnten die Jung-Unternehmerinnen überzeugen. Kürzlich konnten die beiden Frauen mit dem Startup-Fonds von Carsten Maschmeyer einen Millionenbetrag für sich verbuchen. „Nach dem zuletzt erfolgten Funding sind wir gerade dabei das Team zu vergrößern”, schmiedet Diana Rees Zukunftspläne, „im neuen Jahr wollen wir weiterhin stark wachsen.”

Dass sie dafür in der Bundeshauptstadt den idealen Standort gefunden haben, davon sind die Gründerinnen überzeugt – und das obwohl ihr Hauptklientel eher im industriellen Süden des Landes zu finden ist. „Das Herz der deutschen Start-up-Branche schlägt in Berlin, und es gibt hier dadurch einen großen Pool an Talenten für Softwareentwicklung”, meint Rees, „das hindert uns nicht, in Süddeutschland häufig vor Ort zu sein, um ein immer tieferes Verständnis über Prozesse und die Perspektive unserer Kund*innen und Nutzer*innen zu bekommen.” Letztere könnten bald die Grenzen Deutschlands sprengen. Der europäischen Markt, aber auch USA, Japan und China seien perspektivisch interessant. „Wir sehen es als unsere Aufgabe, Maschinenhersteller*innen auf ihrer Reise zu unterstützen”, haben die 31-Jährige und ihr Team noch viel vor, „das Endziel heißt digitale Services plus ein Servicepaket rund um die Maschine zu verkaufen.”

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