Die Krise als Chance für neue Ideen nutzen

Dass Deep Techs auch sozial gewinnbringend sein können und das Potenzial haben, unsere Gesellschaft nachhaltig zu verändern, zeigt die Kategorie Social Tech beim Deep Tech Award. Wir sprachen mit Prof. Dr.-Ing. Jochen Schiller vom Einstein Center Digital Future, der dieses Jahr Teil der DTA-Jury für die Kategorie Social Tech ist.

Jochen Schiller vom Einstein Center Digital Future

Bitte stellen Sie sich und das Unternehmen, für das Sie arbeiten, kurz vor! Erzählen Sie dabei gerne etwas über den Bereich, für den Sie auch in der Jury sitzen.

Ich arbeite als Professor für Technische Informatik für die Freie Universität Berlin am Institut für Informatik mit einem Schwerpunkt auf mobile, drahtlose Systeme, wie sie z.B. im Internet der Dinge genutzt werden. Gerade der Einzug des Internets in alle möglichen Dinge des Alltags – und nicht nur in offensichtlichen Computern – wird auch einige Umwälzungen in der Gesellschaft mit sich bringen. Ein wesentlicher Aspekt ist die enorme Flut an Informationen, welche die Geräte über uns und unser Verhalten automatisch sammeln und auswerten können.

Sie sind in der Jury für den Bereich Social Tech zuständig. Was macht ein Unternehmen in diesem Bereich aus? Warum ist Social Tech gerade jetzt von hoher Wichtigkeit? Lernen wir etwas aus der „Corona-Krise“?

Technologie wird in vielen Bereichen rund um die Welt entwickelt. In vielen Feldern sind dabei deutsche Firmen nicht gerade die Spitzenreiter. Soll jedoch Technologie gewinnbringend für die Gesellschaft einsetzbar sein, so muss die Gesellschaft verstanden und ihre Bedürfnisse und Befürchtungen berücksichtigt werden. Ein Social Tech Unternehmen kennt die Technologie, weiß um ihre Möglichkeiten, bezieht aber von Anfang an gesellschaftliche Aspekte in die Entwicklung neuer Produkte mit ein. Gerade in Zeiten wie dieser lernen wir, dass die schlichte Übernahme von rein technisch gedachten Lösungen nur schwer vorstellbar ist, da sie unseren Werten und Normen widersprechen. Hier ergeben sich Chancen, angepasst Lösungen zu entwickeln, die dann auch in der Gesellschaft akzeptiert werden.

Sie sitzen im Vorstand des Einstein Center Digital Future. Wie darf man sich die Arbeit des Einstein Centers vorstellen?

Das ECDF ist eine Plattform der Möglichkeiten. Gefördert von der Industrie und dem Berliner Senat forschen und arbeiten über 40 Professorinnen und Professoren rund um vielfältige Themen der digitalen Zukunft – von Sozial- und Geisteswissenschaften bis zur Informatik. In unterschiedlichen Formaten kommen alle Interessierten mit Industrie, Politik, Forscherinnen und Forschern zusammen und diskutieren die vielfältigen Aspekte, welche der technologische Wandel mit sich bringt und gestalten diesen auch aktiv mit. Von Laboren, Hackathons, Brown Bad Meetings, Pairing Research Talks bis hin zu klassischen Workshops findet sich am ECDF alles.

Kommen sie dort mit innovativen Technologielösungen in Berührung und welche Entwicklungen sehen sie da konkret?

Wenn nicht dort, wo sonst!? Am ECDF kann man erleben, wie jegliche Schranken zwischen Disziplinen aufgelöst werden, wie Forscherinnen und Forscher aus allen Bereichen zusammenarbeiten, diskutieren, Ergebnisse präsentieren, neue Wege aufzeigen. Die Entwicklung ist klar erkennbar: rein disziplinäres Denken bringt uns nicht weiter! Ja, Stärke in einer Disziplin ist wichtig als Fundament, aber alle drängenden Fragen unserer Gesellschaft verlangen die Kooperation über jegliche Grenzen hinweg.

Was versprechen Sie sich von den Award-Einreichungen?

Ich will mich überraschen lassen und auch überrascht sein! Nicht die x-te App, welche einfach Technologie auf ein Problem werfen will, sondern wirklich integrierte Ansätze, die uns weiterhelfen.

Neben Ihrer Funktion im Einstein Center sind Sie am Institut für Informatik an der FU Berlin tätig. Gibt es Tipps und Erfahrungen aus Ihren verschiedenen Tätigkeiten, die Sie den Bewerber*innen mitgeben möchten?

Schauen Sie über Ihren Tellerrand, wo immer und in welcher Disziplin auch immer er ist. Bringen Sie frühzeitig verschiedene Disziplinen in ihrem Team zusammen, sodass Sie eine größere Vielfalt an Aspekten bedenken. Gerade für unsere Studierenden ist es immer wieder sehr erhellend, wenn sie in anderen Disziplinen neue Denkansätze und Vorgehensweisen kennenlernen.

Welche Chancen und Möglichkeiten bietet der Deep Tech Award den Teilnehmenden und Gewinner*innen? Auf welche Chancen können sie sich auch im Anschluss freuen?

Preise bringen ganz klar Sichtbarkeit – und dies ist gerade auch in eher technisch getriebenen Bereichen sehr wichtig. Denn es überkommt uns täglich eine Flut von „Innovationen“, aus denen man sich dann die echten Schmuckstücke heraussuchen muss. Dieser Preis gibt einem die Chance, aus der Masse deutlich herauszustechen. Denn neben einem tollen Produkt muss eben auch die Werbung dafür stimmen! Eine unbekannte tolle Idee ist leider nutzlos.

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