„Der Innovationsgrad und das Marktpotenzial stehen im Vordergrund.“

Blockchain hat eine starke Verbindung zum Deep Tech Standort Berlin. Daher ist sie auch eine der Kategorien des Deep Tech Awards 2020. Wir sprachen im Interview mit Christoph Haupenthal, Leiter des Instituts für Angewandte Blockchain, der dieses Jahr Teil der DTA-Jury für die Kategorie „Blockchain“ ist.

Christoph Haupenthal, Leiter des Institus für Angewandte Blockchain

Bitte stellen Sie sich und das Institut für Angewandte Blockchain kurz vor. Erzählen Sie dabei gerne etwas über den Bereich, für den Sie in der Jury sitzen.

Das Institut für Angewandte Blockchain ist Teil der Digital Business University of Applied Science in Berlin, die das digitale Zeitalter in den Fokus Ihrer Lehre und Forschung stellt. Wir am IABC forschen und arbeiten umsetzungsorientiert an zahlreichen Blockchain-Projekten. Wir haben mehrere große Bereiche, wie z.B. Blockchain for Supply Chain, Blockchain for Health, digitale Identitäten und digitale Nachweise sowie Projekte rund um digitale Währungen.

Noch kurz zu mir: Ich bin Naturwissenschaftler und habe mehr als 20 Jahre als Unternehmensberater mit Fokus auf Strategie und Digitalisierungsprojekten gearbeitet.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Institut für Angewandte Blockchain zu gründen? Was war die Intention dahinter? Und an welchen weiteren Blockchain-Projekten haben Sie bereits gearbeitet?

Wir haben das IABC gegründet, da wir u.a. im Rahmen unserer Digitalisierungsprojekte erkannt haben, dass sich zur damaligen Zeit (2016) zwei große Trends abzeichneten: AI und Blockchain. Darüber hinaus haben sich die Entwicklungen im Bereich Stablecoins etc. stark beschleunigt.
Wir haben vier Hauptziele, die wir mit dem Institut für Angewandte Blockchain verfolgen: (a) Wir wollen echte Use Cases bzw. besser Business Cases mit unseren Forschungspartner*innen entwickeln und erforschen, (b) wir helfen dem Management und den Mitarbeiter*innen von Unternehmen aus der Industrie die Blockchain-Technologie besser zu verstehen (nicht das typische technische Wissen, sondern geschäftsrelevantes Wissen), (c) wir bringen uns in die Diskussionen um den Aufbau von Blockchain-Infrastruktur und deren Governance in Deutschland ein, (d) wir entwickeln Prototypen mit unseren Partnern und  arbeiten auch in der Lehre der DBU mit.
Ich selbst arbeite u.a. an Projekten im Bereich Supply Chain, digitale Nachweise und SSI mit. Mittlerweile planen wir bereits die erste Ausgründung eines Start-ups.

Wie erleben Sie Berlin als Standort für Deep Tech?

Berlin ist sehr lebendig und bietet insbesondere im Bereich der Blockchain viele Möglichkeiten. Deshalb passt auch der Deep Tech Award hier auch besonders gut. Darüber hinaus ist das Engagement der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe besonders hervorzuheben. Dadurch ergeben sich auch für uns immer wieder neue Möglichkeiten und Anknüpfungspunkte.

Sie sind das erste Mal als Jurymitglied beim Deep Tech Award dabei. Was versprechen Sie sich von den Einreichungen?


Ja, das stimmt. Ich bin schon ganz gespannt auf einerseits die Breite der Themenvielfalt und auf der anderen Seite die Reife der Einreichungen. Mittlerweile hat die Blockchain-Technologie schon einige „Auf und Abs“ hinter sich und die Anwendungen in den Unternehmen werden immer mehr. Natürlich bin ich auch neugierig, welchen Einfluss die Corona-Pandemie auf mögliche neue Anwendungen hat und wie sich das in den Einreichungen widerspiegeln wird.

Welche Tipps geben Sie den Unternehmen, die sich für den Deep Tech Award 2020 bewerben möchten?

Das ist immer eine schwierige Frage. Wichtig ist, dass nicht nur eine tolle Idee aus Konsumentensicht oder eine faszinierende technische Lösung für ein Problem bearbeitet werden, sondern, dass immer auch die Frage beantwortet wird, wer letztlich für die neue Lösung/Service/Idee bezahlen wird – und diese Frage muss sich jedes Unternehmen immer wieder stellen. Ansonsten gilt: Lösen Sie nicht mit Ihrem Service alle Probleme der Welt auf einmal. Weniger ist manchmal mehr!

Welche Kriterien, sollten die bewerbenden Blockchain-Unternehmen Ihrer Meinung nach erfüllen?

Die wichtigsten Kriterien sind nicht überraschend: Der Innovationsgrad und das Marktpotenzial stehen im Vordergrund.

Welche Chancen und Möglichkeiten bietet der Deep Tech Award den Teilnehmer*innen und Gewinner*innen? Auf welche Chancen können sie sich auch im Anschluss freuen?

Der Deep Tech Award bietet neben dem Preisgeld eine große Vielzahl von Chancen und Möglichkeiten. Es wird für die Unternehmen eine Bühne geschaffen, auf der sie ihre Idee vorstellen können und Meinungen dazu einsammeln können. Inwieweit es eine virtuelle oder reale Bühne wird, müssen wir ja leider noch etwas abwarten. Darüber hinaus ist das Renommee des Deep Tech Awards weit über Berlin hinaus nicht zu unterschätzen.

Wie sieht die Zukunft der Blockchain-Technologie für den Standort Berlin aus?

Blockchain ist und bleibt in Deutschland sehr stark mit Berlin verbunden. Das Ökosystem ist perfekt für die Entwicklung neuer Ideen und Ansätze. Eine Herausforderung wird sicherlich die Implementierung der Technologie insbesondere bei Industrieunternehmen sein, da viele von denen nicht in Berlin sitzen. Diesen Punkt adressieren wir mit unserem Institut besonders, um hier eine Brücke in beide Richtungen zu bilden.

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