Deep Tech Award 2020: Interview mit brighter AI, Gewinner Künstliche Intelligenz

Wie kann unsere Identität in der Öffentlichkeit geschützt werden? Dem hat sich brighter AI angenommen und wurde damit zum Gewinner des Deep Tech Awards 2020 in der Kategorie Künstliche Intelligenz. Wir sprechen heute mit dem Team.

Zwei Mitarbeiter von brighter AI stehen auf der Bühne mit Award und Urkunde
© André Wunstorf

Noch einmal herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Deep Tech Awards in der Kategorie Künstliche Intelligenz! Wie seid ihr auf den Award aufmerksam geworden und wie war für euch der Bewerbungsprozess?

Wir sind über Twitter auf den Deep Tech Award aufmerksam geworden, da wir @deeptechberlin folgen. Der Bewerbungsprozess war ziemlich straight forward; ein Online-Formular mit vier Fragen, die genug Spielraum für Kreativität ließen und eine recht kurze Bewertungsphase. Super!

brighter AI hat sich zum Ziel gemacht, jede Identität in der Öffentlichkeit mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz zu schützen. Wie genau funktioniert eure Software und wo kommt sie zum Einsatz?

brighter AI’s Anonymisierungslösung bietet für praktisch alle Anwendungsfälle, bei denen Kameradaten verarbeitet werden müssen, radikal neue Möglichkeiten. Bisher existierte ein „Trade-Off“ zwischen Datenschutz und der Nutzung der Daten: Bilddaten können durch „Verpixelierung“ oder „schwarzen Balken“ anonymisiert werden, aber dann gehen relevante Informationen verloren und sie sind für bestimmte Analysen oder die Nutzung für Machine Learning unbrauchbar. „Deep Natural Anonymization“ von brighter AI stellt eine einzigartige Innovation dar, um die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz im Einklang mit unserem gesellschaftlichen Wertesystem (mit Fokus Datenschutz) zu ermöglichen.

Mit Deep Natural Anonymization werden personenbezogene Merkmale, wie Gesichter oder Nummernschilder, in den Originaldaten detektiert. Für diese werden, in Echtzeit und mit Hilfe generativer Künstlicher Intelligenz, synthetische Bilddaten erzeugt und über die Originaldaten gelegt. Die Überlagerung sehen zwar echt aus, so dass Machine-Learning-Algorithmen auf diese angewandt werden können, gleichzeitig lassen sie sich aber nicht „zurückrechnen“ und erlauben somit keine Rückschlüsse auf die abgebildeten Personen.

HIER ist ein Video (in Englisch), das den Prozess visualisiert.

Wir wurden 2017 als Spin-Off aus dem Hella-Inkubator gegründet und haben unsere Wurzeln daher im Bereich Automotive. Aber die Entwicklung autonomer Fahrzeuge ist hier nur das prominenteste Beispiel. Im Automotive-Bereich gibt es u. a. auch für Mapping-Services und Driver-Monitoring riesiges Potential. Außerdem gibt es diverse Anwendungsfälle in den Bereichen Verkehr, Mobilität, Sicherheit, Smart City und Einzelhandel, bspw. für die Gefahrenerkennung, smarte Verkehrsplanung oder intelligente Store-Konzepte.

Welche Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz wird es in den nächsten Jahren geben? Habt ihr eine Prognose?

Wir haben vor allem die Hoffnung, dass gesellschaftliche Werte wie Ethik, Nachhaltigkeit und Datenschutz in der Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz berücksichtigt werden. Und diese Themen nicht gegeneinander ausgespielt, sondern miteinander verbunden werden. Denn nur, wenn die Akzeptanz für KI-Lösungen hoch ist, werden diese auch wirklich langfristig angenommen.

Wie Claudia Pohlink, Vorsitzende der Jury im Bereich Künstliche Intelligenz, bestätigte, ist unsere Technologie ein Beispiel für diese Art der „Pionierarbeit“ und damit eine mögliche Antwort auf die Frage, wie sich die EU auf dem globalen Markt für Künstliche Intelligenz differenzieren kann.

Wie seht ihr Berlin als Standort für Künstliche Intelligenz? Welche Vorteile birgt die Stadt als KI- und als Deep-Tech-Standort im Allgemeinen?

Als Hauptstadt spielt Berlin natürlich eine entscheidende Rolle für die KI-Entwicklung in Deutschland. Laut #ki_berlin haben sich 28 Prozent der deutschen Unternehmen aus dem KI-Umfeld (und sogar 50 Prozent der KI-Start-ups) in Berlin-Brandenburg angesiedelt. Ebenso sind hier viele relevante Forschungseinrichtungen im Bereich Künstlicher Intelligenz zu finden und Berlin zieht, wie auf ganz vielen Ebenen als äußerst spannender „Melting Pot“, natürlich auch viele Talente an. Somit entsteht hier ein äußerst relevantes Netzwerk aus KI-Expert*innen.

Was plant brighter AI für die Zukunft? Für was werdet ihr das Preisgeld von € 10.000 einsetzen?

Wir arbeiten stetig an der Weiterentwicklung unserer Technologie und haben langfristig natürlich den Wunsch, in jeder Kamera zu laufen, bzw. in jedem Wertschöpfungsprozess von Kameradaten involviert zu sein. Das Preisgeld nutzen wir dafür, aber auch dafür, um Projekte wie die pro-bono-Plattform „protect.photo“ voranzutreiben und bereits geplante Teambuilding-Maßnahmen noch etwas auszuweiten.

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