Deep Tech Award 2020: Interview mit Advosense, Gewinnerinnen Social Tech

Den Deep Tech Award in der Kategorie Social Tech durfte das Team von Advosense in diesem Jahr mit nach Hause nehmen. Wir haben mit den Gründerinnen Martina Viduka und Erin Webb gesprochen.

Grace-Anne Marius, Martina Viduka und Erin Webb von Advosense lächeln in die Kamera
Das Team: Grace-Anne Marius, Martina Viduka und Erin Webb © Advosense

Nochmals herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Deep Tech Awards in der Kategorie Social Tech, Martina und Erin! Wie kam es zur Bewerbung um den Deep Tech Award und wie habt ihr euch seit Erhalt des Preises gefühlt?

Vielen lieben Dank! Da wir beide relativ neu in Berlin und in der hiesigen Startup-Szene sind, stieß Martina auf die Gelegenheit, als sie einen Deep Dive in die Veranstaltungen und Awards für junge Start-ups in Berlin gemacht hat. Nachdem wir einen Blick auf die Partner*innen, Netzwerke und früheren Gewinner*innen geworfen hatten, waren wir überzeugt, dass es eine wirklich großartige Initiative und Gemeinschaft ist, von der wir ein Teil sein wollten. 

Als wir gewonnen haben, waren wir wirklich sehr glücklich und überrascht! Es dauerte mindestens einen Tag, bis wir es richtig realisiert haben. Die anderen Bewerber*innen waren wirklich großartig und wir hatten vorher keine Ahnung, wie es verlaufen würde.

Mit Advosense seid ihr auf der Mission, die Altenpflege zu verändern. Wie genau funktionieren euer Produkt und eure Software?

Wir haben unsere Mission mit der Entwicklung eines neuen Ansatzes für das Management von Inkontinenzversorgung gestartet. Wir entwickeln einen intelligenten Inkontinenzslip (eine Windel für Erwachsene), der einen eingebetteten, passiven und kostengünstigen Sensor enthält, der als Einwegartikel erhältlich ist. Dieser überwacht Patient*innen auf Episoden von Inkontinenz. Sobald ein*e Patient*in nass wird, gibt unser System über eine Webanwendung eine Echtzeit-Benachrichtigung an das Pflegepersonal aus, das sie darüber informiert, dass die Windel gewechselt werden muss.

Wie ist die Idee zur Entwicklung eines Produkts im sozialen Bereich entstanden? Wie hat sich euer Team zusammengefunden?

Martina ist seit über zehn Jahren examinierte Krankenschwester und Erin hat ihre Karriere auf Gesundheitssysteme konzentriert, nachdem sie zunächst in der Unternehmensberatung an Gesundheitsprojekten gearbeitet hatte. Wir haben uns während unseres Master-Studiengangs in Gesundheitspolitik, Innovation und Management an der Universität Maastricht kennengelernt. Mit unserer Leidenschaft, die Gesundheit unserer Gesellschaft zu verbessern und uns für unsere geriatrische Bevölkerung einzusetzen, nahmen wir im November 2018 an der Veranstaltung „Hacking Female Health“ in Berlin teil, die wir schließlich gewannen. Damit begann unsere Reise in den Bereich Social Tech.

Später kam Grace-Anne Marius dazu, die Martina über eine Freundin hier in Berlin kennengelernt hatte. Grace-Anne hat einen Hintergrund als Marketingleiterin in technischen Start-ups und Unicorns, spezialisiert auf die Entwicklung von Go-to-Market-Strategien, den Markteintritt, Produkteinführungen und globale Strategien. Als Team traten wir dann im März 2020 dem Vision Health Pioneers Incubator-Programm bei.

Wir haben unsere Erfahrung in Start-ups, Kliniken und Gesundheitssystemen genutzt, um uns für unsere Patient*innen und Ärzt*innen und Pflegepersonal einzusetzen und die Instrumente bereitzustellen, die sicherstellen, dass Patient*innen die Qualität der Versorgung erhalten, die sie verdienen.

Wie ist der Stand der Dinge, wenn es um Deep Tech-Produkte innerhalb des sozialen Sektors geht? Seht ihr in der Zukunft viele weitere Lösungen aufkommen oder ist der Markt bereits gut gerüstet?

Im sozialen Sektor, speziell im Gesundheitswesen und in der Medizin, sehen wir definitiv mehr Innovationen im Bereich der Deep Tech. Die meisten dieser Produkte sind jedoch eher auf die Lösung komplexerer Probleme ausgerichtet, wobei intelligente Technologien zur Optimierung von Dingen wie chirurgischen Verfahren oder Behandlungsalternativen eingesetzt werden. Lösungen am Krankenbett zur Lösung einfacher und grundlegender, aber wichtiger Fragen im Zusammenhang mit der Krankenpflege stehen nicht so sehr im Vordergrund. Wir müssen uns mit diesen Grundlagen auseinandersetzen und die richtigen Ressourcen bereitstellen, damit Ärzt*innen und Pflegepersonal selbst die grundlegendste Pflege effizienter durchführen können, und wir freuen uns, dies in Angriff zu nehmen.

Wo wird Advosense in einem Jahr stehen? Wie plant ihr, das Preisgeld von 10.000 € aus dem Deep Tech Award zu investieren?

Einfache Antwort – Tech, Tech, Tech! Dieser Preis kommt für uns zu einem perfekten Zeitpunkt, da wir derzeit unsere Forschung und Entwicklung fortsetzen und unser Produkt zur Marktreife bringen. Wir werden das Preisgeld verwenden, um uns hierbei zu unterstützen.

In einem Jahr? Nun, die Entwicklung einer patentierten Medizintechnik ist kein schneller und einfacher Prozess, aber wir hoffen, dass wir als Medizinprodukt reguliert sein und unsere ersten geriatrischen Patient*innen den Slip in Krankenhäusern und Pflegeheimen hier in Deutschland tragen werden.

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