„Spannend zu sehen, wie viele Menschen sich mit unterschiedlichsten Ideen und Fertigkeiten einbringen“

Das CityLAB hat letzten Montag die Plattform „Hack the Crisis – Berlin Edition“ gelauncht. Wer will, kann hier Ideen posten oder sich in laufende Projekte einklinken, um die Auswirkungen von Corona in Berlin abzumildern. Wie läuft es? Interview mit Benjamin Seibel, Leiter des CityLABs.
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Wie läuft es?
Benjamin Seibel: Die Resonanz ist gut, wir haben in der ersten Woche schon mehr als 60 Einreichungen erhalten. In unserem Slack-Kanal diskutieren rund 150 Leute ihre Ideen und helfen sich gegenseitig. Thematisch geht das von der Digitalisierung der Gesundheitsämter über koordiniertes Maskennähen bis zum Einsatz von 3D-Druckern für die Fertigung von medizinischem Equipment. Es ist spannend zu sehen, wie viele Menschen sich mit unterschiedlichsten Ideen und Fertigkeiten einbringen. Wir haben rund um die Plattform auch ein großes Partnernetzwerk aus Berliner Forschungseinrichtungen, Gesundheitsbehörden und anderen Initiativen, die mit Know-How und Ressourcen unterstützen.

Welches Ziel verfolgt ihr mit der Plattform?
Benjamin Seibel: Es gibt aus der Berliner Community sehr viele gute Ideen und die Hilfsbereitschaft ist riesig. Wir wollen Hilfe anbieten, dass diese Ideen auch wirksam werden können. Dazu verknüpfen wir Initiativen oder Startups zum Beispiel mit Gesundheitsämtern, Krankenhäusern oder Wissenschaftler*innen. Wir wissen auch aus unserer sonstigen CityLAB-Arbeit, dass eine erfolgreiche Umsetzung nur gelingt, wenn die richtigen Leute frühzeitig miteinander sprechen. Und da haben wir inzwischen einfach ein großes Netzwerk, das wir durch unsere Plattform auch für andere zugänglich machen wollen.

Kürzlich gab es ja auch den bundesweiten WirVsVirus-Hackathon. Wie verhalten sich die beiden Aktivitäten zueinander?
Benjamin Seibel: Der Hackathon war ein riesiger Erfolg, es sind an einem Wochenende über tausend Ideen ausgearbeitet worden, auch aus unserem Team haben sich viele eingebracht. Aber für eine tatsächliche Umsetzung braucht es eben oft eine Anbindung an lokale Strukturen. Wir hoffen also, dass sich das gut ergänzt und wir auch einige der WirVsVirus-Teams bei der Umsetzung in Berlin unterstützen können.

Tatsächlich stellen wir gerade fest, dass digitale Tools uns in der momentanen Situation sehr helfen können. Homeoffice, digitale Lehr- und Lernmittel…
Benjamin Seibel: Ja, aber es wird auch ein digitaler Graben sichtbar: Einerseits gibt es Teams, die von einem Tag auf den anderen auf remote umschalten und vielleicht gar keinen so großen Unterschied merken. Und andererseits sehen wir leider vor allem im öffentlichen Sektor, wie ganze Organisationen plötzlich kaum mehr handlungsfähig sind, weil digitale Infrastruktur fehlt. Jetzt rächt sich das langjährige Zaudern und Zögern in Sachen Digitalisierung, aber jetzt findet natürlich auch ein Bewusstseinswandel im Zeitraffer statt. Diese Krise ist ja bei allen berechtigten Sorgen auch ein Stück Druckbetankung mit Zukunft.

Autorin: Frauke Nippel
Erstveröffentlichung: 30. März 2020
Bildrechte: Technologiestiftung Berlin / CityLAB Berlin
Original Post: https://www.technologiestiftung-berlin.de/de/blog/spannend-zu-sehen-wie-viele-menschen-sich-mit-unterschiedlichsten-ideen-und-fertigkeiten-einbringen-1/



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